Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich im unteren Halsbereich vor der Luftröhre befindet. Sie ist der ‚Hauptkontrolleur’ des Stoffwechsels und spielt eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. 3 Sie produziert, speichert und setzt die Schilddrüsenhormone in das Blut frei, wodurch der Stoffwechsel geregelt wird. Diese Hormone sind für die richtige Funktion aller Körpergewebe und -organe notwendig. Sie erlauben unserem Körper, seine Energiespeicher wirksam zu nutzen, wodurch die Temperatur geregelt und unseren Muskeln eine normale Funktion ermöglicht wird.4

Es gibt zwei Fehlfunktionen der Schilddrüse:

 

Besteht bei mir ein Risiko?

Fehlfunktionen der Schilddrüse sind in der ganzen Welt sehr verbreitet, insbesondere bei Frauen. Warum Frauen gefährdeter sind als Männer, weiß man nicht genau, aber es ist nicht nur wahrscheinlicher, dass sie Probleme mit der Schilddrüse haben, sondern sie entwickeln diese auch früher im Leben.5 Bestimmte Phasen im Leben einer Frau lassen sie für Probleme mit der Schilddrüse anfälliger werden. Zu ihnen gehören:4

  • Pubertät und erste Menstruation
  • Schwangerschaft
  • Die ersten sechs Monate nach einer Geburt
  • Wechseljahre

 

Did you know?

Problems of the thyroid gland are eight times more common in women than in men6

Unabhängig vom Geschlecht besteht bei Ihnen ein Risiko für eine Schilddrüsenstörung, wenn Sie:

  • In Ihrer Familie bereits Fälle von Problemen mit der Schilddrüse haben
  • Eine Autoimmunkrankheit wie Typ 1 Diabetes haben
  • Über 50 Jahre alt sind
  • Eine Schilddrüsenoperation hatten
  • An Down- oder Turner-Syndrom leiden

 

Menschen, die Strahlenbehandlungen hatten oder deren Hals Röntgenstrahlen ausgesetzt war, leiden ebenso häufiger an Problemen mit der Schilddrüse.7 Interessanterweise sind Weiße und Asiaten im Vergleich zu anderen Völkern dreimal stärker gefährdet.4

 

Schilddrüsenunterfunktion (HYPOTHYREOSE)

Die Schilddrüsenunterfunktion, der Fachbegriff lautet Hypothyreose, ist eine häufige Erkrankung.8 Sie wird verursacht, wenn die Schilddrüse nicht ausreichend Schilddrüsenhormone produziert. Dieser Mangel an Schilddrüsenhormonen verlangsamt den Stoffwechsel des Körpers und führt dazu, dass Patienten oft frieren, sich müde und depressiv fühlen.9 Wenn Sie unter Hypothyreose leiden, werden Sie wahrscheinlich auch feststellen, dass Sie an Gewicht zugelegt haben4, selbst wenn Sie sich vernünftig ernähren und sich regelmäßig bewegen.9

ÜBLICHE SYMPTOME:4,7,9,10

  • Müdigkeit
  • Erhöhte Kälteempfindlichkeit
  • Gewichtszunahme oder Probleme beim Abnehmen (trotz vernünftiger Ernährung und Bewegung)
  • Depression
  • Verstopfung
  • Abnormale Menstruationszyklen und / oder Fruchtbarkeitsprobleme
  • Gelenk- oder Muskelschmerzen
  • Dünnes und sprödes Haar oder Fingernägel und / oder schuppige Haut
  • Aufgedunsenes Gesicht, Hände und Füße
  • Geringeres sexuelles Interesse (Libidoverlust)

Die Symptome der Hypothyreose sind unangenehm und können das Selbstwertgefühl sowie das Arbeits-, Privat- und Familienleben einer Person beeinträchtigen. Allerdings mindert eine Hypothyreose nicht nur die Lebensqualität. sondern kann bei nicht erfolgender Behandlung ernstere Komplikationen verursachen und potenziell lebensbedrohlich werden.

Zu den ernsten Komplikationen der Hypothyreose gehören:

  • Ein so langsamer Herzschlag, dass Patienten ins Koma fallen können7
  • Erhöhter Blutdruck und erhöhte Cholesterinwerte (signifikante Risikofaktoren einer
    Herzerkrankung)11
  • Unfruchtbarkeit10
  • Alzheimer-Krankheit (erhöhtes Risiko bei Frauen)12

 

Behandlung

Da es keine Heilung für die Hypothyreose gibt, besteht das Ziel der Behandlung im Ersatz der fehlenden Schilddrüsenhormone im Körper. Levothyroxin (synthetisch produziertes Schilddrüsenhormon) ist die Behandlung der Wahl und sollte Patienten ermöglichen, ein Leben ohne Symptome zu führen.4

Wurde bei Ihnen eine Hypothyreose diagnostiziert, ist es wichtig zu wissen, dass die Behandlung lebenslang erfolgt und das Medikament täglich eingenommen werden muss, selbst dann, wenn die Symptome abgeklungen sind.4 Das kann sich etwas beunruhigend anhören, aber wenn Ihre Erkrankung gut behandelt ist, sollten Sie in der Lage sein, ein beschwerdefreies Leben zu führen.4 Sobald jedoch Veränderungen Ihres Zustandes eintreten, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Eventuell ist eine Anpassung der Dosierung erforderlich.

Schilddrüsenüberfunktion (HYPERTHYREOSE)

Eine Schilddrüsenüberfunktion, der Fachbegriff lautet Hyperthyreose, liegt vor, wenn von der Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone produziert und in das Blut abgegeben werden. Dies führt zu einer Beschleunigung des Stoffwechsels.13 Die Hyperthyreose ist oft familiär bedingt (genetische Veranlagung) und tritt am häufigsten bei jungen Frauen auf. Es ist bisher wenig darüber bekannt, warum bestimmte Personen diese Erkrankung bekommen und andere nicht.13

Wenn Sie an einer Hyperthyreose leiden, werden Sie eher feststellen, dass Sie Gewicht verloren haben, obwohl Sie normal oder sogar mehr essen als zuvor.14 Sie fühlen sich vielleicht auch unruhig und haben einen schnellen Herzschlag.14

ÜBLICHE SYMPTOME:13,14

  • Gewichtsverlust (selbst bei normaler Nahrungsaufnahme)
  • Ängstlichkeit und Reizbarkeit
  • Sehr schneller Herzschlag (oft mehr als 100 Schläge pro Minute)
  • Hervorstehende, starrende Augen
  • Zitternde Hände
  • Starkes Schwächegefühl
  • Haarausfall
  • Verstärkte Verdauungsaktivität
  • Schnell wachsende Fingernägel
  • Dünne und sehr glatte Haut
  • Überdurchschnittlich starkes Schwitzen
  • Abnormale Menstruationsblutungen

Es ist wichtig, dass die Symptome der Hyperthyreose nicht unbehandelt bleiben, da sonst ernste Komplikationen auftreten können. Die unbehandelte Erkrankung kann zu Herzrhythmusstörungen (unregelmäßige Muskelkontraktionen im Herzen) und bis hin zum Herzinfarkt führen.14 Darüber hinaus erhöht eine Hyperthyreose bei Frauen nach den Wechseljahren das Risiko für Osteoporose (Abbau der Knochenmasse) und damit die Gefahr von Knochenbrüchen.14

Ein Blick auf… Hyperthyreose in der Schwangerschaft

Die Hyperthyreose ist während der Schwangerschaft besonders gefährlich, aber glücklicherweise eher selten. Wenn sie allerdings unbehandelt bleibt, kann es für Mutter und Kind ernste Folgen haben.15 Zu den Problemen können Fehl- oder Frühgeburt, verzögertes Wachstum des Babys im Mutterleib, frühzeitige Wehen, hoher Blutdruck,6 und körperliche Mängel des Babys gehören. Auch eine ‚thyreotoxische Krise’ kann auftreten, hierbei führt ein stressiges Ereignis oder eine massive Infektion zu einem gefährlichen Anstieg der Schilddrüsenhormonwerte.6

Während einer Schwangerschaft ist eine Hyperthyreose schwer zu diagnostizieren, da die vielen normalen Veränderungen während der Schwangerschaft den Symptomen dieser Schilddrüsenstörung ähneln, wie beispielsweise das Hitzegefühl, übermäßiges Schwitzen, Übelkeit oder ein rasender Herzschlag.

Wenn Sie schwanger sind und einen Herzschlag von mehr als 100 Schlägen pro Minute haben sowie Gewicht verlieren, sollten Sie umgehend Ihren Arzt aufsuchen, um eine Hyperthyreose auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung der Hyperthyreose ist komplizierter als die der Hypothyreose (Unterfunktion) und es gibt keine Behandlung, die für alle Patienten gleich ist. Die Wahl der Behandlung seitens des Arztes hängt von der Art und Schwere des Krankheitszustands, dem Alter und möglicherweise von Begleiterkrankungen des Patienten ab.13

Die Behandlung kann gegebenenfalls die Schilddrüse blockierende Medikamente (Thyreostatika) umfassen, die die Fähigkeit der Drüse einschränken, neue Schilddrüsenhormone zu produzieren. Manche Patienten erhalten zusätzlich Levothyroxin, um die verminderte Hormonproduktion auszugleichen. Als Alternative könnte eine Behandlung mit radioaktivem Jod vorgenommen werden, um überaktive Schilddrüsenzellen zu zerstören, oder es kann eine Operation erfolgen, um die Schilddrüse teilweise zu entfernen. Diese Behandlungen führen oft zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, die jedoch leichter zu behandeln ist.13

Klicken Sie hier, und lesen Sie wie Patienten im Alltag mit Schilddrüsenfehlfunktionen leben

DIAGNOSE EINER SCHILDDRÜSENFEHLFUNKTION

Bei vielen Patienten bleiben Probleme mit der Schilddrüse undiagnostiziert und sie leiden lange Zeit, weil ihre Symptome mit anderen Krankheitsbildern, wie beispielsweise Depressionen oder Fettleibigkeit, aber auch den Wechseljahren verwechselt werden. Eine Schilddrüsenfehlfunktion kann von Ihrem Arzt durch einen einfachen Bluttest festgestellt werden. Dabei werden die Blutspiegel des die Schilddrüse stimulierenden Hormons (TSH) und der Schilddrüsenhormone untersucht.4

Die Behandlung von Schilddrüsenstörungen ist einfach, lange bewährt und höchst effektiv.

Wenn Sie besorgt sind, dass Sie an einem Problem mit Ihrer Schilddrüse leiden, besprechen Sie dies bitte mit Ihrem Arzt. Unser Selbsttest hilft Ihnen zu prüfen, ob bei Ihnen eine Schilddrüsenfehlfunktion vorliegen könnte. Um Ihr Gespräch beim Arzt zu unterstützen, laden Sie unsere Wohlfühl-Tagebuch herunter, um die von Ihnen erlebten Symptome aufzuzeichnen, oder probieren Sie unsere kurze Checkliste zu Symptomender Schilddrüsenfehlfunktion.

thyroid diagram

Wussten Sie?

Wussten Sie, dass bis zu 300 Millionen Menschen weltweit Probleme mit ihrer Schilddrüse haben, wobei vermutet wird, dass mehr als die Hälfte sich ihrer Erkrankung nicht bewusst sind?2

Literatur

  • 1Khan A, Muzaffar M, Khan A et al. Thyroid Disorders, Etiology and Prevalence. J Med Sci. 2002;2:89-94.
  • 2Canaris GJ, Manowitz NR, Mayor G et al. The Colorado thyroid disease prevalence study. Arch Intern Med. 2000;160:526-34.
  • 3American Thyroid Association. Thyroid Function Tests. 2005 Accessed March 2009.
  • 4American Thyroid Association. ATA Hypothyroidism Booklet. Falls Church, VA 2003.
  • 5Helfand M, Redfern CC. Clinical guideline, part 2. Screening for thyroid disease: an update. American College of Physicians. Ann Intern Med. 1998;129:144-58.
  • 6ACOG Education Pamphlet AP128 – Thyroid Disease. American College of Obstetricians and Gynaecologists. Washington, DC. 2002.
  • 7Roberts CG, Ladenson PW. Hypothyroidism. Lancet. 2004;363:793-803.
  • 8Tunbridge WMG, Evered DC, Hall R et al. The spectrum of thyroid disease in a community: the Whickham survey. Clin Endo. 1997;7:481-493.
  • 9American Thyroid Association. Hypothyroidism. 2005. Accessed March 2009.
  • 10Poppe K, Velkeniers B, Glinoer D; Medscape. The role of thyroid autoimmunity in fertility and pregnancy. Nat Clin Pract Endocrinol Metab. 2008;4:394-405.
  • 11Rodondi N, Aujesky D, Vittinghoff E et al. Subclinical hypothyroidism and the risk of coronary heart disease: a meta-analysis. Am J Med. 2006;119:541-51.
  • 12Tan ZS, Beiser A, Vasan RS et al. Thyroid function and the risk of Alzheimer disease: the Framingham Study. Arch Intern Med. 2008;168:1514-20.
  • 13American Thyroid Association. Hyperthyroidism. 2005. Accessed March 2009.
  • 14American Association of Clinical Endocrinologists. Hyperthyroidism. 2006. Accessed March 2009.
  • 15De Groot LJ, Stagnaro-Green A, Vigersky R. Patient guide to the management of maternal hyperthyroidism before, during and after pregnancy. The Hormone Foundation. J Clin Endocrinol Metab 2007;92:0.